Journalisten müssen zur Marke werden, so das Credo der internetaffinen Medienmacher. Richard Gutjahr gilt als Paradebeispiel des modernen, sich selbstvermarktenen Journalisten. Das macht er auch super. Nur kommt dabei viel zu kurz, dass Journalisten in erster Linie Menschen sind. Richard, Du und ich. Wir sind keine Marken. Eine Marke ist eine Kunstfigur, ein Spiegelbild zumeist kommerzieller Interessen. Journalisten sind in erster Linie aber Geschichtenerzähler. Wer die spannendste Geschichte erzählt, gewinnt. Marken dagegen können nichts erzählen, nur die Menschen dahinter. Wer jetzt also meint, die Zukunft des Journalismus liege in der Selbstvermarktung, der bedient sich in meinen Augen zu sehr am Wortschatz derer, die vor allem Geld verdienen wollen.
Wer sich also über die Zukunft des Journalismus Gedanken macht, der beklagt auf der einen Seite häufig die Kommerzialisierung und Profitgier der Verlage. Auf der anderen Seite müsse sich aber ein Journalist selbst als Marke begreifen und in das Rennen einsteigen. Ich plädiere dafür, von dem Begriff Marke wegzukommen und sich lieber an Menschen zu orientieren, die spannende Geschichten erzählen, Nachrichten aus erster Hand teilen oder sonstwie journalistisch auffällig sind. Durch den Begriff Marke wird der Mensch auf das Produkt reduziert, das er veröffentlicht. Im neuen Journalismus aber geht es doch viel mehr darum, dass der Journalist mit seinen Followern oder Subscribern auf Augenhöhe Prozesse kommuniziert und nicht als fertiges Markenprodukt Kunden befriedigt.
Warum schreibe ich das hier? Auch ich habe mich dazu entschieden, einen Abonnieren-Button auf meine Seite zu bauen und werde mal schauen, wie sich das alles so entwickelt. Ich nutze Facebook zwar in erster Linie, um mich mit meinen Freunden auszutauschen. Ich sehe aber auch, dass ich über Facebook und Twitter den meisten Traffic auf meine eigene Seite und andere Seiten bringe, interessante Diskussionen führe und selbst eine gefühlt engere Verbindung zu mir eigentlich fremden Medienschaffenden aufbaue. Selbstredend werde ich ab jetzt nicht alles öffentlich teilen, was ich so auf Facebook mit meinen Freunden kommuniziere, aber ich möchte doch mal gucken, wo die Reise mit dem Abonnieren-Button hingeht. Ich bin jedenfalls mit dem Artikel von Martin Weigert bis auf die Markenbildung einer Meinung, vor allem wenn er schreibt:
In Zukunft könnte die Schaffung von Sichtbarkeit für die Autorenmarken aber zu einer Selbstverständlichkeit werden
Nur habe ich dabei eine Bitte: Wir Journalisten sollten Menschen bleiben und keine Marken werden. Wer mir also bei Facebook probehalber mal folgen will, bitte sehr. Ich freue mich auf neue Kontakte.
