Während wir uns hier gerade mal nicht über die Bild-Zeitung, sondern über Christian Wulff aufregen, ist der Wahlkampf um das mächtigste Amt der Welt in vollem Gange. Die USA wählen am 6.11.2012 ihren 45. Präsidenten. Ob sich Barack Obama erneut durchsetzen kann, steht in den Sternen und soll hier auch nicht das Thema sein. Vielmehr möchte ich meinen Blog nutzen, um auf Besonderheiten im US-Wahlkampf hinzuweisen, denn der Wahlkampf setzt in zahlreichen Bereichen Maßstäbe: Videos, Audios, Fotos, Grafiken, Kampagnen, Debatten, Nutzung des Internets, und, und, und. Gerade Social Media wird einen enormen Einfluss auf den Wahlkampf in den USA haben, sind sich viele einig. Da lohnt es sich etwas genauer hinzuschauen – nicht zuletzt deshalb, weil Deutschland sich gern am US-Wahlkampf orientiert.
In loser Regelmäßigkeit werde ich unter dem Hashtag #120sekusa meine Netzfundstücke hier auf meinem Blog präsentieren und bei Twitter bewerben. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit und natürlich kann und will ich auch gar nicht die aktuellsten Entwicklungen kontinuierlich abbilden. Vielmehr geht es mir darum, den US-Wahlkampf in möglichst vielen seiner Facetten hier festzuhalten, um somit besser zu begreifen, was bei einem Wahlkampf möglich ist, was man besser lässt, wie die Amerikaner ticken und was eventuell auf uns hier in Deutschland in ein paar Jahren zukommen könnte.
Google Elections
Google hat für den US-Wahlkampf extra eine Seite gebaut, auf der es aktuelle Trends, eine Übersicht über die meisten Videoabrufe der Kandidaten bei Youtube, zahlreiche Links zu Debatten und die neuesten Artikel von Nachrichtenseiten und Blogs gibt. Für das Design ist mal wieder die Kreativschmiede Jess3 verantwortlich. Auf ihrem Blog geben sie Einblicke in ihre Arbeit mit Google und warnen zurecht davor, welche Macht Google mit einem solchen Projekt ausüben könnte. Kein anderer Wahlkampf der Welt wird so sehr im Netz geführt. Wer im Netz nach Informationen sucht, nutzt Google. Google bereitet die Informationen auf. Nur nach welchem Prinzip und mit welchem Interesse? Kann ein Algorithmus wirklich neutral sein? Oder ist er vielleicht nur so objektiv wie der Programmierer, der ihn baut? Wie dem auch sei: Für einen deutschen Wahlkampf kann man sich so eine Google-Seite jedenfalls kaum vorstellen – Verleger, Politiker und Datenschützer würden wohl auf die Barrikaden steigen.

Instagram ist die hippste App des Jahres 2011. Die Foto-App von Kevin Systrom und Mike Krieger wurde 2010 gelauncht, hat heute um die 15 Millionen Nutzer und hat sich somit zu einem eigenen sozialen Netzwerk gemausert. Kein Wunder also, dass auch das Wahlkampfteam von Barack Obama auf die App setzt. Mit Flickr, Facebook, Foursquare und Twitter sind sie zwar schon in zahlreichen sozialen Netzwerken vertreten, aber seit dem 3. Januar 2012 nutzen sie mit Instagram nun auch die erste mobile-online Plattform. Das Ergebnis nach knapp einer Woche: Sechs Fotos und über 50.000 Anhänger. Kein Wunder, dass sich da der CEO von Instagram freut:
“We’ve seen political coverage on Instagram increase as the 2012 US Presidential Election nears. News organizations such as NBC News, ABC World News and the Washington Post have been sharing behind-the-scenes photos at debates and town hall meetings across the country, offering us a unique look into the 2012 elections. As we get closer to election day in 2012, we look forward to seeing how campaigns, reporters and voters use Instagram to tell the story of the 2012 Presidential Election through photos.”

Gotham
Kampagnen müssen einen Wiedererkennungswert haben. Wer Plakate druckt oder Internetseiten baut, hat ein Auge auf ein einheitliches Design. Die Designer der Kampagne für Barack Obama setzten beim letzten Wahlkampf vor allem auf eine einheitliche Typographie. Was wäre “Yes, we can” ohne den Schrifttyp Gotham gewesen? Vielleicht immer noch erfolgreich, aber garantiert nicht so schön designt. Ron Paul, einer der republikanischen Präsidentschaftskandidaten aus dem jetzigen Wahlkampf dreht nun den Spieß um. Er hat bereits im Herbst 2011 ein Video produzieren lassen, das mit der Typographie von Obama spielt. Die Idee: Obama mit seinen eigenen Waffen schlagen.
Das Video ist eine Visualisierung einer Rede von Ron Paul. Von der Machart her erinnert das Video stark an die Visualisierung des Pulp Fiction Klassikers, der dann von Cee-Lo`s Funk You Video imitiert wurde. Die Version von Ron Paul ist jedenfalls aus demokratischer Sicht an Dramatik und Zuspitzung kaum zu überbieten und wäre wohl in Deutschland undenkbar. Was soll`s. In den USA geht das. Ob man es inhaltlich gut findet, kann jeder für sich selbst beantworten. Design als politische Waffe ist jedenfalls interessant. Gefunden habe ich das bei Fastcodesign.

hoffen wir mal das nicht wieder so ein negativer Präsident wie Mr. Bush gewinnen wird!