
Bei Youtube werden am Tag vier Milliarden Videos geklickt. Eine Stunde Videomaterial wird jede Sekunde hochgeladen. Allein 2011 wurden insgesamt über eine Trillion Videos geguckt.
Diese Zahlen verdienen einen Absatz für sich. Sie dürfen einfach mal wirken. Vor allem sollten sie auf alle Fernsehmacher da draußen eine Wirkung haben, denn an Youtube kommt kein Fernsehschaffender vorbei, egal, was er sich einbildet. So einfach ist das. Es sprechen zwar noch immer viele Faktoren für ein langes Leben des linearen Fernsehens (tradierte Konsummuster, Bequemlichkeit der Couch-Potatoes, Programmplanung, etc.), aber Youtube hat nach jetzigem Stand der Dinge entscheidende Vorteile gegenüber Sendeanstalten wie wir sie kennen. Zehn möchte ich zur Diskussion stellen:
- Youtube ist kein Sender. Youtube ist das Medium.
- Youtube muss kein Geld verdienen – das macht Google.
- Youtube ist überall.
- Youtube hat potentiell sechs Milliarden Programmmacher.
- Youtube war von der ersten Sekunde an sozial, Google+ forciert dies.
- Youtube ist non-linear, immer da.
- Wer bei Google Inhalte sucht (die große Mehrheit tut das), findet Youtube-Videos.
- Youtube hat ohne Ende Kohle für Rechteeinkäufe (Sport, Events, Filme, etc.)
- Youtube ist unfassbar flexibel.
- Youtube hat ein Monopol.
Wer sich einmal einen Überblick über die bereits jetzt schon eigens für Youtube produzierten Videos machen möchte, kann sich mal die einzelnen YT-Kanäle anschauen. Programmmacher jeder Sendeanstalt würden vor Neid erblassen. Wenn Diversifizierung die Herausforderung ist, setzt Youtube die Maßstäbe. Darüber hinaus gräbt Youtube den etablierten Sendern aber auch auf ihren ureigensten Feldern das Wasser ab. Blockbuster und Disney-Produktionen finden vermehrt ihren Weg zu Youtube – eine Entwicklung, die den deutschen Sender-Bossen massive Kopfschmerzen bereiten dürfte. Auch um den Milliarden-Markt Sport-Veranstaltungen ist ein neuer Kampf im Gange, auch in Deutschland.
Sogar – und das ist wirklich neu – finden sich nicht nur privat gefilmte Protest-Videos auf Youtube wider. Nein: Politik wird jetzt ganz offiziell auf Youtube betrieben. Die State of the Union address von Obama wird live auf Youtube übertragen, bevor der US-Präsident dann flockig im Google+ Hangout Fragen von Bürgern beantwortet, die vorher auf dem Kanal des Weißen Hauses eingereicht wurden – von einer solch engen Verzahnung kann in Deutschland nur jedes Medien-Unternehmen träumen. Wenn hier eine solche Aktion stattfindet, dann natürlich auch über Youtube – scheinbar alternativlos.
Falls Youtube jetzt ab Sommer auch noch auf jedem Fernseher fröhlich vorinstalliert würde, würde die Reichweichte noch größer. Deutsche Medienunternehmen sollten meiner Meinung nach deswegen aber nicht in Agonie verfallen. Sie sollten auch nicht versuchen, Youtube mit allen Mitteln zu bekämpfen. Im Gegenteil: Sie sollten Youtube als Partner verstehen, als Medium, auf dem es gilt, aktiv Präsenz zu zeigen. Deshalb darf Youtube auch nicht nur als erweitertes Archiv für eigene Beiträge genutzt werden, frei nach dem Motto: Hier klickt mal! Fernsehschaffende müssen Webvideos endlich den Respekt zollen, den sie verdient haben! Alles andere ist Mumpitz.
Wer Youtube ernst nehmen will, der sollte auch bereit sein, originären Content speziell für Youtube anzubieten. Ich bastel gerade am YT-Projekt Shit That Germans Say (#stgs) – wer ist dabei?
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