Es wird so häufig über die Zukunft des Journalismus geschrieben, dass man fast den Eindruck bekommt, wir müssen uns gegenseitig einreden, dass es überhaupt eine geben wird. Das ist natürlich übertrieben, aber ist ja hier auch mein Blog und ich kann schreiben, was ich will. Total subjektiv und so. Ist das vielleicht die Zukunft? Starker Meinungsjournalismus, so wie in den USA? Da klappt das doch auch prima mit MSNBC auf der einen und FOX News auf der anderen Seite. Oder sollten es vielleicht doch lieber Visualisierungen sein? Gar von Daten? Wer weiß, vielleicht liegt die Zukunft des Journalismus auch in hyperlokalen Blogs? Oder wir schreiben Bücher darüber, wie die Zukunft des Journalismus aussieht. Das ist alles wichtig und richtig, aber eine Sache ist noch viel wichtiger: Die Zukunft des Journalismus liegt jedenfalls nicht allein in der Darstellungsform.
Die Zukunft des Journalismus liegt darin, grandiose Geschichten zu erzählen. Und um welche erzählen zu können, muss man vor die Tür gehen, sich mit Menschen unterhalten, ihnen auf die Pelle rücken, sich nicht mit Halbwahrheiten abspeisen lassen, keine Pressesprecher anrufen und sich mit dem Verweis zufrieden geben, man beantworte die Anfragen in einer Mail. Journalismus lebt von guten Geschichten. Die fallen einem nur äußerst selten einfach so in die Hände. Für gute Geschichten muss gekämpft werden, geackert, gearbeitet. Fleißig muss man sein, hartnäckig, sicherlich nett, aber auch wissen, wann man zubeißen muss.
Die Zukunft des Journalismus liegt also vor allem in unseren Händen. Also lasst uns witzig, kreativ, einfühlsam, überraschend, neu und spontan sein. Lasst uns nicht zwölftausendmal die gleichen Wortspiele nutzen. Wir müssen Worte hinterfragen, ihnen wieder ihren Sinn geben, nicht einfach Wortschöpfungen übernehmen, die uns Politik und Interessenverbände auftischen. Sorgen wir dafür, dass die neuen Nutzungsgewohnheiten berücksichtigt werden, ok. Machen wir uns also die neuen Hilfsmittel zu Werkzeugen, um wirklich gute Geschichten zu erzählen. Lassen wir die neuen Mittel aber nicht zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Es geht nicht darum, irgendwas möglichst multimedial zu erzählen. Bunte Schei#%e bleibt Schei#%e. Meine ich.


Jou. So war es auch gemeint. Ich geb mir jedenfalls Mühe.
Das weiß ich doch :) Ich schätze ja auch den “Kaffee bei Dir” ! War einfach nur mal so generell eine Aufmunterung an alle… Fand den Blogpost ja super lesenswert, keine Frage! Danke für den Kommentar, sage ich da.
Du hast insofern Recht, als es bei der ganzen Diskussion vordergründig nicht um den Rezipienten geht – der aber ist das Wichtigste. Natürlich geht es eigentlich doch immer um ihn, aber beim lesen der Texte vergisst man das schon mal. Marian Semm hat 2009 mit das Beste zum Thema geschrieben, das ich kenne. Aber das hab ich schon so oft verlinkt, dass ich es nicht schon wieder bringen konnte ,) Daher: Nur für dich: http://www.marian-semm.de/2009/12/serie-lokalzeitung-2-0-folge-1-der-begeisterte-leser/