Warum Apple, Google, Facebook & Youtube bald das Film- und Fernsehengeschäft übernehmen

Fernseher haben ausgesorgt. Apple, Facebook & Co dominieren bald das Geschäft.

Glaubt man Peter Misek, bringt Apple nächstes Jahr einen Fernseher raus. Der Analyst von der Investment Bank Jeffereys will gehört haben, dass Apple 500 Millionen Dollar und mehr in eine Produktionsstätte von Sharp investiert habe. Die Fabrik produziert bislang vor allem Displays für das iPhone und für das iPad. Ein Apple-Fernseher gilt ja als das letzte Projekt von Steve Jobs: Also einfach nur ein weiterer Kassenschlager im Apple-Reich? Mitnichten. Ein Apple-Fernseher könnte die Medienlandschaft massiv verändern.

Wer sich die Apple-Produkte anguckt, weiß, dass es ohne Touchscreen anscheinend nicht mehr geht. Eine Investition in eben diese Produktionsstätte von Sharp legt also nahe, dass es bei Apple-Fernsehern ebenfalls einen berührungsempflichen Monitor geben wird. Das wiederum hat Konsequenzen für die Produkte, die auf dem Gerät laufen sollen, denn jeder weiß, wie langweilig eine Internetseite ist, die im schlichten HTML auf einem iPad angeguckt wird. Das könnte zu neuen Konsumstandards führen, die erstmal erfüllt werden müssen seitens deutscher Medienunternehmen.

Weiter präsentiert Apple für seine Produkte immer auch geschlossene Systeme, über die Apple das alleinige Verfügungsrecht hat: iTunes lässt grüßen. Wenn wir uns jetzt vorstellen, – und das ist gar nicht so schwierig – dass Apple-TV ebenfalls über eine so rigide kontrollierte Auswahl an Film- und Fernsehsendungen verfügt, dann verändert das den Markt. Keine Frage. Apple lässt ja schon jetzt jede einzelne App einer strengsten Prüfung unterziehen. Auch die iTunes-Inhalte werden genauesten kontrolliert. Will ich das wirklich auch für meinen Fernseher? Garantiert nicht.

Giganten gegen Riesen

Auch Youtube, Google & Facebook steigen ins Fernsehgeschäft ein. Bei Youtube können jetzt mehrere hundert Filme von Disney, Pixar und DreamWorks geguckt werden. Das verändert nicht nur massiv das Selbstverständnis von Youtube, wie es der Videopunk bei Hyperland schön erklärt hat, sondern es verändert auch das Fernsehgeschäft hierzulande. Warum sollte ein Konsument auf den 20:15 Uhr Film warten, wenn er ihn bei Youtube jederzeit abgreifen kann. Das Phänomen des non-linearen Fernsehens ist nicht neu, ich weiß. Aber die zunehmende Auswahl von Filmen bei Youtube und die damit einhergehende Kooperation mit Mediengiganten aus den Staaten schon.

Die gleichen Tendenzen sind auch bei Facebook zu beobachten. Facebook testet immer wieder aus, wie eine Partnerschaft mit Blick auf Bewegtbild funktionieren könnte. Die Übertragung von Fussballspielen und die Ausstrahlung von Mission:Impossible sind nur erste Gehversuche, die klar aufzeigen, wo die Reise hingehen soll. Bei Google sieht es nicht viel anders aus. Auch dort wird massiv am Ausbau eines eigenen Fernseh- bzw. Filmgeschäfts gearbeitet.

Ist doch alles prima!

Warum schreibe ich das alles? Naja. Ich arbeite bei einem Fernsehsender. Und es ist kein Geheimnis, wenn ich erzähle, dass die Aufmerksamkeit der Zuschauer kleiner wird. Nicht zuletzt gab es gerade ein bemerkenswertes Interview, in dem zu lesen ist, warum eine Allianz der deutschen Medienlandschaft gegen die Googles da draußen sinnvoll wäre. Ob gegen oder mit dabei die richtige Strategie ist, muss noch beantwortet werden. Wichtig und richtig ist es aber, darüber zu diskutieren und sich nicht gegenseitig aufzufressen. Die Zeit drängt. Wer nicht reagiert, wird bedeutungslos.

Update, 29.11.2011: Bei Gugelproductions.de gibt es einen sehr ausführlichen Beitrag zum gleichen Thema. Unbedingt lesen!

Hi, mein Name ist Martin Giesler. Ich bin Nachrichten-Redakteur beim ZDF in der Redaktion von heute.de. Hier auf 120sekunden.com blogge ich über Medien und alles, was mich sonst so interessiert || Meinen Newsletter mit den besten Links der Woche kann man hier abonnieren.

Alles wird gut || CC BY-NC 3.0 || 120sekunden.com

Top